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Arthrose an der Hand effektiv behandeln

Regelmäßige Fingerübungen halten die Hände trotz Verschleiß beweglich. Daneben helfen Medikamente und bestimmte Anwendungen
von Ullrich Jackus, aktualisiert am 11.05.2016

Bewegliche Gelenke durch regelmäßiges Üben

W&B/Michael Englert

Einen Kuchen gebacken, das Gemüse geschnippelt, den Herd geputzt – jetzt erst mal eine Tasse Tee! Aber die Finger lassen sich plötzlich nur noch schwer und ­unter Schmerzen bewegen. Schon der Versuch, die Tasse zum Mund zu führen, wird zu einer Qual. Was kann das sein? Der Apotheker Tasso Weinhold aus Hattingen empfiehlt seiner Kundin als Sofortmaßnahme ein Gel. "Das lindert den Schmerz, und durch den Massageeffekt beim Einreiben halten Sie zudem Ihre Finger beweglich", sagt er. Falls die Beschwerden anhalten, solle sie einen Arzt aufsuchen.

Die Aufgabe des Mediziners ist es zunächst, eine systemische Erkrankung wie Rheuma oder auch die Folgen einer Bor­reliose durch Zeckenstich auszuschließen. Von außen sichtbare Veränderungen an den Finger­­gelenken, Druckschmerzen, die Art der Bewegungseinschränkung und – wenn das allein nicht ausreicht – eine Röntgenaufnahme geben Aufschluss: Im geschilderten Fall handelt es sich um Arthrose.

Zwei Drittel der Älteren haben Arthrose

"Unter Arthrose verstehen wir einen über das normale Maß hinausgehen­den Verschleiß der Gelenke", erklärt Professor Tim Lög­ters, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Auch wenn die meisten dabei an die Groß­gelenke Knie und Hüfte denken, seien ähnlich viele Patienten an den Fingern, seltener an den Zehen von Arthrose betroffen. Der stellvertretende Direktor der Klinik für Unfall- und Handchirurgie des Universitätsklinikums Düsseldorf weiter: "Zwei Drittel der Menschen über 65 haben in irgendeinem Gelenk eine Arthrose."

Gelenke, die beweglichen Verbindun­gen zwischen zwei Knochen, sind von Knorpelmasse überzogen. "Diese Substanz kann sich wesentlich schlechter erneuern als andere Körpergewebe wie etwa Haut oder Fett", erläutert Lögters.

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Ursachen der Handarthrose weitgehend unbekannt

Wie es zu einer Arthrose in den Fingern kommt, ist weitgehend ungeklärt, einmal abgesehen von Unfällen, bei denen die Gelenke verletzt wurden. Weder die Arbeit am Computer oder Fließband noch Hobbys wie Stricken oder Basteln gelten als Ursache. Eine Anerkennung als Berufserkrankung ist eher die Ausnahme.

Manchmal kann die Arthrose auch eine Folge jener Krankheit sein, mit der sie gelegentlich verwechselt wird: einer rheumatischen oder bakteriell beding­ten Arthritis. "Die Endung ,itis‘ besagt, dass es sich um eine entzündliche ­Erkrankung handelt", erklärt der Orthopäde. Diese Entzündung greift den Knorpel an oder zerstört ihn ganz, sodass die frei liegenden Enden der Knochen aneinanderreiben. "Das führt zu den Schmerzen und Bewegungseinschränkungen."

Mediziner unterscheiden Handarthrosen je nach dem Ort, an dem sie auftreten: Fingerend-, Fingermittel- und Dau­mensattelgelenk. Selten trifft es die Grundgelenke der übrigen Finger. "Wir behandeln keine Röntgenbilder, sondern Menschen", betont Lögters – denn das klinische Beschwerdebild deckt sich nicht zwingend mit dem radiologischen Befund. Manche Patienten haben Schmerzen, aber auf dem Foto ist nichts Verdächtiges zu sehen, bei anderen verhält es sich umgekehrt.

Auf der Suche nach der richtigen Therapie muss der Arzt also herausfinden, wie hoch der Leidensdruck des Patienten ist. Und er muss ihm mitteilen, dass die Erkrankung weiter fortschreitet und nicht geheilt werden kann.

Anfangs können Medikamente helfen

In der Frühphase lässt sich der Schmerz mit Medikamenten mildern. Meist hilft es auch schon, wenn der Erkrankte Tätigkeiten im Beruf oder Haushalt umstellt. "Injektionen in die Fingergelenke sind grundsätzlich nicht empfehlenswert", fährt der Experte fort. "Kortison führt nur zu einer kurzfristigen Linderung und kann den angrenzen­den Knorpel ­zusätzlich schädigen. Auch von Substanzen, die bei Knie­arthrose gespritzt werden, beispielsweise Hyaluronsäure, raten wir bei den Finger­gelenken eher ab."

Rund um die Arthrose gibt es eine Reihe alternativer Behandlungs­methoden: Akupunktur, Magnetfeldtherapie, Kälteanwendungen oder die Bio­­stimulation mit dem Softlaser. "Wir im Uniklinikum Düsseldorf bieten solche Leistungen nicht an", stellt Lögters klar. "Aber ich sage den Patienten: Probieren Sie ruhig ­eine, höchstens zwei dieser Alternativen aus – solange sie Ihnen nicht schaden und Sie bereit sind, die Kos­­ten dafür zu übernehmen."

Letzte Möglichkeit Operation

Eine Operation sollte die letzte Möglichkeit bleiben. Für die Finger­end­­gelenke kommt meist die Versteifung mit Drähten oder Schrauben in einer günstigen Position in Frage. Prothesen aus Silikon oder Pyrocarbon bieten sich zunehmend für die Fingermittelgelenke an. Sie haben jedoch eine geringere Haltbarkeit als etwa eine künstliche Hüfte und mitunter eine höhere Komplikationsrate. Denn die Prothesen sind zwar gut beweglich, aber relativ schlecht belastbar. Lögters würde einem Handwerker eher abraten; eine ältere Dame, die gerne Bücher liest, profitiere sehr wahrscheinlich davon.

"Wichtig ist es, nach einer Operation die Mobilität, Kraft und Koordination der Finger so bald wie möglich wiederherzustellen", betont Eva-Maria Herrmann, die in Frankfurt am Main eine physiotherapeutische Praxis führt.

Herrmann stellt einige Übungen vor, um die Fingergelenke trainieren:



Bildnachweis: W&B/Michael Englert, Strandperle/Rob Lewine/Tetra Images

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